Home
unsere Familie
Urlaubsreisen
Südtirol 10-2014
Südtirol 10-2012
Island 2012
Südküste,Jökulsárlón
Gullfoss, Thingvelir
Reiten, Reykjavik
Kreuzfahrt 2012
USA Nordost 2011
Insel Cres 06-2011
Südtirol 04-2011
Dublin 11-2010
Südtirol 11-2010
USA 09-2010
Kreuzfahrt 05-2010
Venedig 03-2010
Südtirol 11-2009
Montenegro 08-2009
Nordsee 06-2009
Mallorca 04-2009
Finnland 01-2009
Spanien 08-2008
Kreuzfahrt 05-2008
Südtirol 10-2007
Finnland 08-2007
Schweden 08-2007
Mallorca 07-2007
Kroatien 2007 Porec
Vorarlberg 04-2007
Kanada 08-2006
Kroatien 2006 Cres
USA-Ost 2005
Australien 2001
Jahresberichte
Flugstatistik
Unvergessen
Kontakt
Sitemap



Karte erstellt mit Googlemaps

Freitag, 17.08.2012

Um 9 Uhr verließen wir nach einem guten Frühstück unser Guesthouse Alex in Keflavik und fuhren in etwa zwei Autostunden in östlicher Richtung auf der Ringstraße Nr. 1.
Die Straße führt, wie schon der Name sagt, einmal komplett um die ganze Insel Island herum. Auf Island darf man nur maximal 90 km/h fahren, 110 sind aber schon mal möglich bei teilweise schnurgeraden Straßen.
Wir kamen gut voran, zunächst durch die lebensfeindliche Mondlandschaft östlich von Reykjavík. Daran schloss sich die wunderbar grüne Sander-Ebene an, die von verschiedenen Flüssen wie dem Hvita oder dem Markarfljot mit Gletscherwasser versorgt wird.

 



Nun ging es an den geothermisch geheizten Gewächshäusern von Hveragerði vorbei, entlang an saftigen Weiden, auf denen braune Kühe und unzählige Schafe grasten. Auf der linken Seite schien es endlos weiterzugehen mit den Wiesen, manchmal konnte man den Vulkan Hekla erahnen; rechts sahen wir am Horizont die nur ca. 15 km vor der Küste Islands liegenden Westmännerinseln (Vestmannaeyjar), die sich hier schemenhaft aus dem Dunst erhoben. Unterwegs legten wir ein, zwei kurze Fotostopps ein.



Am Ende der Ebene kamen wir zu einer Bergkette, steile Steinwände erheben sich hier fast bis zur Küste. Wir erreichten das Massiv des berühmten Vulkans Eyjafjallajökull, der zuletzt im März 2010 ausgebrochen ist und damals wochenlang den europäischen Flugverkehr lahmlegte bzw. behinderte. Der Vulkan ist von einem Gletscher bedeckt, der durch den Ausbruch teilweise abgeschmolzen ist. Von der Ringstraße aus ist er allerdings kaum mehr zu sehen. Man wird aber durch die hier an der Straße versammelten Touristenbusse darauf aufmerksam, dass etwas Besonderes zu sehen ist. 

 

Wir überquerten danach viele Flüsse, die von dem Schmelzwasser gebildet werden. Einer davon ist der Seljalandsá, der über die Steinkante 66 Meter in die Tiefe donnert. Dieser Wasserfall Seljalandsfoss, den wir am späten Vormittag besichtigten, ist eine der Hauptattraktionen Islands. Außer uns waren noch etwa 20 Autos und ein Reisebus vor Ort. Hier war es besonders schön, weil man hinter dem Wasserfall durchgehen kann, wobei man auf diesem Weg auch etwas nass wird. Laut Reiseführer soll man besonders schöne Fotos bei Sonnenuntergang von dort aus machen können – um darauf zu warten hatten wir aber leider keine Zeit. Wir fotografierten trotzdem.
Gleich links neben dem Wasserfall sahen wir noch zwei weitere, kleinere Wasserfälle. Einer davon lag sehr schön in einer Schlucht.
 

besonders beeindruckend: der Spaziergang hinter den Wasserfall


Zurück auf der Ringstraße ging es weiter nach Osten bis nach etwa 20 Minuten plötzlich links neben der Straße der Skógafoss zu sehen war - ein toller, sehr beeindruckender Wasserfall. Etwas eingezwängt zwischen zwei Felsenwänden stürzt er in einer Breite von etwa 20-30 Meter ca.60 Meter in die Tiefe. Inzwischen war es schon Mittag. Vor dem Wasserfall bildet sich immer wieder ein Regenbogen. Diesen Wasserfall sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, denn er liegt sehr idyllisch in einer schönen Umgebung.
Julia war immer noch sehr müde und ging schnell wieder zum Auto, während wir seitlich am Wasserfall über etwa 300 Stufen bis zur oberen Kante hinaufstiegen. Auf 2/3 des Weges führte ein kleiner Trampelpfad zum einem weiteren, atemberaubenden Ausblick auf den Skógafoss. Hier waren wir relativ nah an dem Wasserfall und konnten seine komplette Fallhöhe überblicken. Von weiter oben sahen wir zwar, wie er über die Kante in die Tiefe stürzt, der Anblick war aber nicht so überragend.
 

 

 

 


Wir stiegen wieder hinunter und fuhren weiter Richtung Osten, unterbrochen von einigen weiteren Fotostopps, bei denen die Kinder gar nicht mehr ausstiegen. Auf der Ringstraße, die jetzt zum Teil direkt an den Bergen entlang bzw. auch kurz durch die Berge hindurchführte, kamen wir auch an der Abzweigung zum Kap Dyrhólaey vorbei, bogen aber nicht ab, da wir uns diesen eindrucksvollen Felsen erst am nächsten Tag anschauen wollten.
Um 14 Uhr erreichten wir Vík, einen kleinen Ort an einem langen, schwarzen Lavastrand. Bei ziemlich ungemütlichem, windig-regnerischem Wetter besuchten zunächst die kleine Dorfkirche oberhalb von Vík, dann aßen wir im gemütlichen Restaurant Halldórskaffi einen Spezialhamburger, der uns sehr gut schmeckte.

 

der kleine Ort Vik an der Südküste

im Restaurant Halldórskaffi

Nach der Mittagspause fuhren wir hinunter an den schwarzen, breiten Strand zu einer von Deutschland gestifteten Gedenkstätte für die Opfer der Hochseefischerei. Hier genossen wir die Aussicht auf die wunderschöne Südküste Islands.

Weit draußen und rechter Hand vom Strand stehen hier mehrere, bizarr aussehende Felsnadeln (Reynisdrangar) im Meer, die Skessudrangur, Landdrangur und Langsamur genannt werden. Es gibt unendliche viele Fotomotive an dieser Stelle, die uns etwas an die „Zwölf Apostel“ an der Südküste Australiens bei Melbourne erinnerten, wo wir im Februar 2001 waren.
Nun erreichten wir östlich von Vík eine weitere sehr interessante Landschaft. Die Berge treten hier weit in den Hintergrund und vor uns lag eine sehr flache und weite Ebene. Wir durchfuhren ein ausgedehntes Lavafeld, das beim großen Vulkanausbruch im Jahr 1783 entstand.

In Kirkjubæjarklaustur steuerten wir zunächst unser Quartier für die kommende Nacht, das Hotel Klaustur, an, das Michael bereits ein halbes Jahr vorher gebucht hatte. Wir waren sehr zufrieden mit den Zimmern und entschlossen uns, auch noch zum Gletschersee Jökulsárlón zu fahren, der in etwa 90 Minuten erreichbar sein sollte. Im Ort tankten wir noch einmal, dann ging es weiter.

 

Hotel Klaustur in  Kirkjubæjarklaustur



Es folgte eine eher nicht so spannende Etappe. Einige Zeit später tauchte das größte Gletschergebiet Islands, der Vatnajökull, vor uns auf, in dem sich auch der Vulkan Grimsvötn befindet. Fantastische Felsformationen sind dort zu sehen und wir entdeckten immer mehr Gletscher und Wasserfälle - eine ganz andere Landschaft als das, was wir bisher gesehen hatten. Die breiten, aber wasserarmen Flussbetten lassen erahnen, was hier im Extremfall für Wassermassen fließen können. Eindrucksvoll war ein am Straßenrand liegendes, völlig verbogenes Stahlstück, das ursprünglich zu einer Brücke gehörte, die von den gewaltigen Wassermassen zerstört wurde.
 


Gegen 17.30 Uhr erreichten wir schließlich den Gletschersee Jökulsarlon, von dem wir schon viele Bilder gesehen hatten. Was für ein toller Anblick! Schon von der Brücke aus waren die vielen, unterschiedlichen Eisberge zu sehen. Wir parkten am Informationszentrum und kauften Tickets für die nächste Bootstour, die etwa alle 30 Minuten bis 18 Uhr stattfinden (3200 ISK pro Person, ca. 20 EUR).
Wir machten zunächst einige Bilder des 248m tiefen Sees und der dahinterliegenden Gletscher.
Gegen 18 Uhr gingen wir an Bord eines der vier Amphibienfahrzeuge. Diese fahren auf vier riesigen Rädern an Land bis an eine Rampe, über die die Passagiere bequem an Bord gehen können.
Platz ist für etwa 30 Personen. Alle bekamen eine Schwimmweste, die auch getragen werden muss.
 


Als alle "an Bord" waren setzte sich das Gefährt in Bewegung und schaukelte auf seinen großen Gummireifen in Richtung Gletschersee. Nach etwa 200 m erreichten wir das Ufer und fuhren in das eisige Wasser - ein tolles Erlebnis! Auf dem See tuckerten wir vorbei an den vielen kleinen und großen Eisbergen. Diese brechen ständig von dem hinter dem See liegenden Gletscher Breidamerkurjökull ab, einer großen, mit Vulkanasche bedeckten Gletscherzunge des Vatnajökull, und treiben dann im Wasser des Sees. Dieser besitzt auch einen Abfluss ins Meer, sodass es hier durch Ebbe und Flut auch zu einem Austausch von Salz- und Süßwasser kommt, weshalb der Gletschersee nie zufriert.
 

 


Während unserer Bootsfahrt wurde auch ein Mini-Eisberg aus dem See gefischt und unsere Begleitung, eine nette Schweizerin namens Linda aus dem Berner Oberland, erklärt einiges zum See und dem Eis. Jeder durfte auch ein kleines Stück von dem Eis probieren. Ein paar Touristen hatten sogar Whiskey und Gläser mitgebracht, um das Eis einer stilvollen Nutzung zuführen zu können. Bei den größeren Eisbergen hielt das Boot ausreichenden Sicherheitsabstand, da es hier zum Kippen oder Auseinanderbrechen der Eisberge kommen könnte. Wir staunten über die vielen Farben, Formen und Größen und filmten und fotografierten ausgiebig alles um uns herum. Die einzelnen Eisberge sehen sehr unterschiedlich aus: Vom typischen Gletscherblau (einem intensiv leuchtenden Blau) bis zu tiefschwarz (wegen der Asche des letzten Vulkanausbruchs) sind alle Schattierungen zu sehen. Auch die Formen der Eisberge sind natürlich alle total unterschiedlich.
Bei den Reisevorbereitungen hatte ich gelesen, dass im Jahr 2001 für die Dreharbeiten am James Bond Film "Stirb an einem anderen Tag" der kurze Fluss, der den See mit dem Ozean verbindet, vorübergehend zugeschüttet wurde, um durch diese Trennung den Wasseraustausch zwischen Jökulsarlon und Atlantik zu verhindern. Dadurch fror der See innerhalb weniger Tage zu, so dass darauf eine Autoverfolgungsjagd gedreht werden konnte. Als alten Bond-Fan interessierte mich der Gletschersee und sein Abfluss deshalb noch mehr.
Viel zu schnell war die 35-minütige Rundfahrt vorbei, das Boot näherte sich wieder dem Ufer und fuhr dann auf seinen riesigen Rädern der "Laderampe" entgegen. Begeistert verließen wir das Gefährt, spazierten noch kurz zum See um Erinnerungsfotos zu machen und stiegen auf einen kleinen Hügel am Ufer. So langsam mussten wir uns von dieser tollen Aussicht losreißen, denn es stand uns noch die 120 km lange Rückfahrt bis Kirkjubæjarklaustur bevor.
Nach einem letzten Blick von der Brücke verließen wir den Gletschersee und damit den östlichsten Zielort unserer Islandtour.

Wir legten entlang der Strecke noch zwei kurze Fotostopps ein, um ein paar Islandschafe im Abendlicht vor der Steilküste zu fotografieren. Zurück in Kirkjubæjarklaustur wurden wir von einer Österreicherin an der Rezeption des Hotels Klaustur freundlich begrüßt. Dann aßen wir im Restaurant noch guten Fisch und Nudeln und und fielen bald müde in unsere Betten. Wir träumten alle von Wasserfällen, Eisbergen und grünen Tälern, manch eine auch von den berühmten Islandponys. Wer wohl?

 

michaelw@bayern-mail.de